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Ratgeber

Was verdient ein LKW-Fahrer?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, und zwar auf mehr als auf den Stundenlohn. Hier steht, woraus sich der Verdienst zusammensetzt — damit Sie eine Anzeige richtig lesen können.

Vier Bausteine, nicht einer

Fast jeder Streit über Fahrergehälter entsteht, weil zwei Leute über verschiedene Dinge reden. Der Verdienst besteht aus vier Teilen, die sich steuerlich und rechtlich völlig unterschiedlich verhalten:

  1. Grundlohn. Der Stundenlohn oder das Monatsgehalt. Nur dieser Teil zählt vollständig für Rente, Arbeitslosengeld und Krankengeld — und nur er ist die Grundlage für alle Zuschläge.
  2. Überstunden. Voll steuerpflichtig. In der Praxis der größte Hebel: Der Unterschied zwischen 40 und 50 Wochenstunden ist ein Viertel mehr Geld und ein Viertel weniger Freizeit.
  3. Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit. Innerhalb der Grenzen des § 3b EStG steuerfrei — und bis zu einem Grundlohn von 25 € je Stunde auch sozialabgabenfrei. Brutto ist hier gleich netto.
  4. Verpflegungsmehraufwand („Spesen"). Kein Entgelt, sondern eine Entschädigung für Mehrkosten unterwegs. Steuerfrei bis zur Pauschale, dafür ohne jede Wirkung auf spätere Ansprüche.

Die steuerfreien Zuschläge im Überblick

Die folgenden Höchstsätze stehen in § 3b EStG. Was Ihr Betrieb tatsächlich zahlt, steht im Arbeits- oder Tarifvertrag — die gesetzliche Regel sagt nur, bis zu welcher Höhe ein gezahlter Zuschlag steuerfrei bleibt.

Steuerfreie Zuschläge nach § 3b EStG
Anlass Steuerfrei bis
Nachtarbeit 20:00 – 06:00 Uhr bis 25 %
Nachtarbeit 00:00 – 04:00 Uhr, wenn die Schicht vor 0 Uhr begann bis 40 %
Sonntagsarbeit bis 50 %
Gesetzliche Feiertage und 31.12. ab 14 Uhr bis 125 %
24. und 25./26.12. sowie 1. Mai bis 150 %

Bemessungsgrundlage ist der Grundlohn je Stunde, gedeckelt bei 50 € für die Steuerfreiheit und bei 25 € für die Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung.

Wie Sie eine Anzeige richtig lesen

Wenn in einer Anzeige eine einzelne große Zahl steht, fehlt fast immer die Aufteilung. Fragen Sie vor der Zusage genau vier Dinge:

  • Wie hoch ist der Grundlohn je Stunde — ohne Zuschläge und ohne Spesen?
  • Wie viele Stunden sind tatsächlich üblich, nicht vertraglich vereinbart?
  • Welcher Anteil der genannten Summe sind Spesen?
  • Wie oft sind Sie zu Hause — und ist das zugesagt oder nur beabsichtigt?

Ein Betrieb, der auf diese vier Fragen klar antwortet, ist meistens auch sonst ein ordentlicher Arbeitgeber. Einer, der ausweicht, bleibt es selten.

Häufige Fragen zum Verdienst

Kann man als LKW-Fahrer 4.000 € netto verdienen?

In Einzelfällen ja — aber praktisch nie über den Grundlohn allein. Wer auf diese Summe kommt, kombiniert in der Regel einen überdurchschnittlichen Stundenlohn mit vielen Überstunden, Nacht- und Wochenendzuschlägen und steuerfreien Spesen im Fernverkehr. Rechnen Sie deshalb nie mit der Endsumme aus einer Anzeige, sondern fragen Sie nach: Wie hoch ist der Grundlohn je Stunde, wie viele Stunden sind üblich, und welcher Anteil davon sind Spesen?

Sind Spesen Gehalt?

Nein. Verpflegungsmehraufwand ist eine Aufwandsentschädigung für Mehrkosten unterwegs, kein Entgelt. Sie ist bis zu bestimmten Pauschalen steuer- und sozialabgabenfrei — dafür zählt sie nicht für Rente, Arbeitslosengeld oder Krankengeld. Eine Anzeige, die Spesen in das beworbene „Gehalt" einrechnet, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Warum kommt bei Zuschlägen brutto gleich netto heraus?

Weil Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit nach § 3b EStG innerhalb der gesetzlichen Grenzen steuerfrei sind — und bis zu einem Grundlohn von 25 € je Stunde auch beitragsfrei in der Sozialversicherung. Der Zuschlag landet also in voller Höhe auf dem Konto. Genau deshalb ist Nachtarbeit finanziell so viel attraktiver, als der Stundenlohn vermuten lässt.

Wie viel bringt der Wechsel vom Fern- in den Nahverkehr finanziell?

Meist weniger, als die Bruttozahl sagt, und manchmal mehr, als man denkt. Im Fernverkehr fallen Spesen weg, wenn Sie im Nahverkehr abends zu Hause sind — das kann mehrere hundert Euro im Monat ausmachen. Dafür sparen Sie die Kosten der Auswärtsverpflegung und haben Anspruch auf ein anderes Leben. Rechnen Sie beide Seiten, bevor Sie eine Zusage geben.

Lohnt sich eine ADR-Bescheinigung?

In der Regel ja. Gefahrgut ist ein eigener Markt mit weniger Bewerbern, und viele Betriebe zahlen die Schulung, wenn Sie sich verpflichten zu bleiben. Dasselbe gilt für Ladekran, Kühltransport und Silo. Wichtiger als jede einzelne Zusatzqualifikation ist aber, dass Sie die vorhandenen sichtbar machen — in vielen Bewerbungen fehlen sie schlicht.

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